Wir leben Inklusion - schon immer.

2000 Unser Weg zur Inklusion Ein Menschenrecht im Mittelpunkt
Unser Weg zur Inklusion
2002 Die Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung „Mit der ISE aus der Krise“
Die Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung
03/2011 Familienunterstützender Dienst Inklusion im Alltag leben
Familienunterstützender Dienst
2012 Kindertagesstätten: Inklusion „umgekehrt“ gedacht
Kindertagesstätten: Inklusion „umgekehrt“ gedacht
01/2023 STEPPKE: Pflegefamilien für Kinder und Jugendliche mit Behinderung Ein Zuhause, das stärkt – Pflegefamilien in der Eingliederungshilfe
STEPPKE: Pflegefamilien für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
01/2025 Qualifizierte Elternassistenz – gemeinsam Eltern stärken
Qualifizierte Elternassistenz – gemeinsam Eltern stärken
2025 Verfahrenslotsen und EJR Starke Kooperation für Orientierung und Teilhabe
Verfahrenslotsen und EJR
Unser Weg zur Inklusion
2000

Unser Weg zur Inklusion

Ein Menschenrecht im Mittelpunkt

Wir verstehen Inklusion als grundlegendes Menschenrecht. Sie richtet sich an alle Menschen und bedeutet für uns: Barrieren erkennen, abbauen und echte Teilhabe ermöglichen – unabhängig davon, warum jemand Benachteiligung oder Ausgrenzung erlebt.

Zwei zentrale Grundlagen prägen unser Verständnis:

  • Artikel 3 Absatz d3 Grundgesetz:
    „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
    Dieser Verfassungsauftrag verpflichtet uns, Angebote und Strukturen so zu gestalten, dass Gleichberechtigung Realität wird.
     
  • UN-Behindertenrechtskonvention:
    Sie fordert eine inklusive Gesellschaft und stärkt das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Selbstbestimmung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Der Leitgedanke „Nichts über uns ohne uns“ steht dabei für echte Mitbestimmung.
Inklusion ist kein Ziel – sondern ein fortlaufender Prozess

Inklusion kann überall und zu jeder Zeit beginnen. Inklusion ist nicht das Ziel, sondern der Weg. Wir betrachten Inklusion als behutsamen Prozess, der durch das gemeinsame Leben und Lernen unterschiedlicher Menschen gestaltet wird und die dabei wechselseitig von ihrer Vielseitigkeit profitieren.

Unsere Wurzeln: Langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen

Unser Verständnis von Inklusion wird durch die langjährige Expertise des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen geprägt. Zu dem Erfahrungsspektrum des Trägers gehören u.a. folgende Angebote:

  • Heilpädagogisches Zentrum
  • Interdisziplinäre Frühförderung
  • Inklusive Kindertagesstätten
  • Familienunterstützender Dienst
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderungen
  • Wohnen für Menschen mit Behinderungen

Die umfassende Expertise des Trägers im Bereich der Eingliederungshilfe stärkt unser pädagogisches Denken und Handeln und unterstützt unser Verständnis von Teilhabe, Barrierefreiheit und Inklusion in der Evangelischen Jugendhilfe Recklinghausen.

In unserer Praxis verbinden wir die Expertise des Trägers mit einer engen Zusammenarbeit auf den unterschiedlichen Ebenen durch fachlichen Austausch, gemeinsame Fallarbeit, über Workshops für Mitarbeitende aus den unterschiedlichen Bereichen und über die gemeinsame Entwicklung neuer Angebote.

Die Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung
2002

Die Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung

„Mit der ISE aus der Krise“

„Mit der ISE aus der Krise“ ist unser ambulantes Angebot, das Perspektiven schafft, wo andere Wege ausgeschöpft sind.

Zu Beginn der 2000er-Jahre standen Jugendhilfe und Kommunen vor einer Herausforderung: Es gab Kinder und Jugendliche, die durch keine klassische Hilfeform wirklich erreicht wurden. Ambulante Angebote, Gruppenangebote oder (teil-)stationäre Hilfen griffen zu kurz – viele dieser jungen Menschen „wanderten“ von Maßnahme zu Maßnahme, ohne dass sich ihre Situation stabilisierte. In Recklinghausen waren es Anfang 2002 rund 15 Kinder und Jugendliche, die so zu „Drehtürkindern“ wurden.

Unter ihnen waren Kinder und Jugendliche mit Teilhabebeeinträchtigungen, wie psychischen Belastungen, chronischen Erkrankungen oder mit Behinderungen – junge Menschen, deren Alltag von Brüchen, Unsicherheit und wechselnden Bezugspersonen geprägt war. Schon damals war klar: Es braucht eine Unterstützung, die an ihnen orientiert ist, nicht an Strukturen. Eine Hilfe, die ankommt – dort, wo sie leben.

Die Idee hinter ISE: Beziehung als Anker

Die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung entstand als neue Antwort auf diese Situation. Der Grundgedanke war radikal einfach und gleichzeitig wegweisend:

Beziehungskontinuität ist der wichtigste Schutz- und Stabilitätsfaktor – gerade in kritischen Lebensphasen.

ISE setzt dort an, wo die jungen Menschen tatsächlich sind:

  • im familiären Umfeld,
  • in ihrer Peergruppe,
  • auf der Straße,
  • in Szenen, die für sie Bedeutung haben.

Statt auf „die ideale Lösung“ zu warten, beginnt die Hilfe mit dem, was für die jungen Menschen überhaupt möglich und erreichbar ist. Genau dieses Vorgehen macht ISE zu einem inklusiven Angebot - lange bevor der Begriff „Inklusion“ zum Standard wurde:

ISE fragt nicht danach, ob ein junger Mensch in ein System passt – sondern wie das System so arbeiten kann, dass Teilhabe möglich wird.

Familienunterstützender Dienst
03/2011

Familienunterstützender Dienst

Inklusion im Alltag leben

Der Familienunterstützende Dienst (FuD) ist ein wichtiges Angebot für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung im Alltag. Er richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen sowie an ihre Familien und bietet Unterstützung genau dort, wo sie gebraucht wird.

Der FuD hilft dabei, den Alltag zu erleichtern und Freiräume zu schaffen – für die ganze Familie. Menschen mit Teilhabeeinschränkungen werden dabei unterstützt, ihre Interessen und Wünsche zu leben: zum Beispiel durch Begleitung zu Hobbys, Sport- oder Kulturangeboten, durch Ferienangebote oder gemeinsame Freizeitaktivitäten.

Darüber hinaus unterstützt der FuD im praktischen Alltag. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Begleitung zu Arzt- oder Therapieterminen
  • Unterstützung bei Behördengängen
  • Entlastung im Haushalt oder beim Einkaufen

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch: Ziel ist es, selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und Teil des sozialen Umfelds zu sein.

Innerhalb unseres Geschäftsfeldes ergänzt der FuD bestehende Angebote sinnvoll. Er entlastet Familien und pflegende Angehörige, unterstützt Einrichtungen und fördert die Selbstständigkeit und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Wohngruppen, Tagesgruppen und dem Betreuten Wohnen werden Hilfen gut aufeinander abgestimmt und Übergänge verlässlich gestaltet.

So bildet der Familienunterstützende Dienst eine wichtige Brücke zwischen Familie, Jugendhilfe und sozialer Teilhabe und stärkt die inklusive Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig.

Da alle Angebote in unserem Werk verankert sind, können wir Ressourcen bündeln, fachlich eng zusammenarbeiten und Kinder, Jugendliche sowie ihre Familien umfassend und aus einer Hand unterstützen.

Kindertagesstätten: Inklusion „umgekehrt“ gedacht
2012

Kindertagesstätten: Inklusion „umgekehrt“ gedacht

Im Jahr 2012 wagten wir einen ungewöhnlichen Schritt: Die bis dahin rein heilpädagogische Kindertagesstätte des Heilpädagogischen Zentrums in Marl öffnete sich bewusst für alle Kinder – unabhängig davon, ob ein besonderer Förderbedarf besteht oder nicht. Dieser „umgekehrte Weg zur Inklusion“ entstand nicht über Nacht: Er wurde gemeinsam mit Eltern entwickelt, intensiv diskutiert und bis heute stetig weitergeführt.

So wurde aus einer spezialisierten Einrichtung ein inklusiver Lern- und Lebensort, in dem Vielfalt zum Alltag gehört und jedes Kind auf seine eigene Weise willkommen ist.

Was dieser Weg verändert hat

Die Öffnung brachte nicht nur mehr Teilhabe – sie hat die pädagogische Arbeit nachhaltig bereichert:

  • Stärken statt Defizite: Kinder erleben früh, dass Unterschiedlichkeit normal ist, und lernen voneinander.
  • Gewachsene Teamkompetenzen: Die heilpädagogische Expertise blieb erhalten und wurde durch vielfältige Perspektiven ergänzt. Davon profitieren alle Kinder durch passgenaue Förderung.
  • Nähe zu Familien: Durch die enge Begleitung entstand ein vertrauensvoller Austausch, der Entwicklung und Teilhabe spürbar stärkt.
  • Natürlich gelebte Inklusion: Vielfalt ist Teil des Alltags – nicht ein Zusatzangebot.

Mehr als Kita – ein Netzwerk für den ganzen Träger

Gemeinsam mit einem zweiten inklusiven Standort in Marl wurden beide Kindertagesstätten später als Familienzentren zertifiziert. Damit entstanden neue Möglichkeiten für Beratung, Unterstützung und Begegnung im Stadtteil.

Gleichzeitig profitiert die EJR bis heute von den Erfahrungen und Kompetenzen der Kitas:

  • Früher Blick auf Teilhabe: Die Kitas zeigen, wie Inklusion im Alltag selbstverständlich gelebt werden kann – eine Erfahrung, die in der EJR Impulse für stationäre, teilstationäre und ambulante Angebote setzt.
  • Fachlicher Austausch: Heilpädagogische, therapeutische und alltagspraktische Kompetenzen der Kitateams fließen in die Arbeit der EJR ein – etwa bei Entwicklungsfragen, Übergängen oder komplexen Förderbedarfen.
  • Geteilte Haltung: Die gelebte Inklusion in den Kitas stärkt im gesamten Träger eine gemeinsame Grundidee: Vielfalt als Ressource zu verstehen.
  • Interne Kooperation: Ob Beratungen, Übergabegespräche oder kollegiale Fallimpulse – die enge Zusammenarbeit erleichtert passgenaue Unterstützung für Kinder und Familien in unterschiedlichen Lebensphasen.

So wurde der inklusive Weg der Kitas zu einem wichtigen Erfahrungsschatz, der heute im gesamten Träger wirkt und die EJR in ihrer inklusiven Weiterentwicklung stärkt.

STEPPKE: Pflegefamilien für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
01/2023

STEPPKE: Pflegefamilien für Kinder und Jugendliche mit Behinderung

Ein Zuhause, das stärkt – Pflegefamilien in der Eingliederungshilfe

Mit STEPPKE haben wir 2023 einen wichtigen Schritt hin zu mehr Teilhabe in familiären Lebensformen gemacht. Seitdem begleiten wir Pflegefamilien, die Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen ein stabiles, liebevolles und verlässliches Zuhause geben.

Unser Fachdienst Pflegefamilien steht dabei kontinuierlich an der Seite der Pflegeeltern – fachlich, persönlich und immer mit dem Blick auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder. Wir sind Mitglied im Verbund Westfälische Pflegefamilien (WPF) des LWL und Teil des STEPPKE-Verbundes, wodurch wir auf gemeinsame Standards, klare Qualitätsvorgaben und ein starkes Netzwerk zurückgreifen können.

Warum STEPPKE ein wichtiger Baustein unserer Inklusionsentwicklung ist

Pflegefamilien eröffnen Kindern mit Beeinträchtigungen echte Chancen:

  • Aufwachsen in einem familiären Umfeld, das Sicherheit, Nähe und Kontinuität bietet.
  • Individuelle Unterstützung, die sich am Alltag orientiert und nicht an institutionellen Grenzen endet.
  • Perspektiven für Kinder, die ohne familiären Rückhalt oft auf stationäre Angebote angewiesen wären.

Gleichzeitig bietet STEPPKE Familien – ob mit oder ohne eigene Kinder – die Möglichkeit, etwas Sinnstiftendes zu tun und einen spürbaren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Fachlichkeit aus zwei Welten

In STEPPKE fließen die Kompetenzen zweier Professionen zusammen:

  • Jugendhilfe
  • Eingliederungshilfe

Unsere Fachkräfte arbeiten eng verzahnt, nutzen gemeinsame Fortbildungen und orientieren sich an abgestimmten fachlichen Standards. Dadurch gelingt es uns, komplexe Bedarfe realistisch einzuschätzen und passgenaue Unterstützung für Pflegefamilien sicherzustellen.

Ein starkes Beispiel interner Kooperation

STEPPKE zeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit innerhalb unseres Trägers ist. Durch die enge Verbindung zu Angeboten wie unseren Wohngruppen oder weiteren Unterstützungsformen der Eingliederungshilfe profitieren Pflegefamilien von breitem Wissen, schnellen Abstimmungen und gemeinsamen Lösungen.

So gelingt es immer häufiger, dass Kinder in ihren Pflegefamilien bleiben können – auch dann, wenn sich Bedarfe verändern oder Unterstützung erweitert werden muss. Genau hier zeigt sich gelebte Inklusion: flexibel, verlässlich und immer am Kind orientiert.

Qualifizierte Elternassistenz – gemeinsam Eltern stärken
01/2025

Qualifizierte Elternassistenz – gemeinsam Eltern stärken

2025 setzen wir einen wichtigen Impuls:
Mit dem Workshop „Blickpunkt Familie“ haben wir Fachkräfte aus Eingliederungshilfe und Jugendhilfe zusammengebracht. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Arbeitsweisen zu bündeln – als Grundlage für ein neues inklusives Angebot: die Qualifizierte Elternassistenz.

Mit der Qualifizierten Elternassistenz unterstützen wir Mütter und Väter mit Teilhabeeinschränkungen dabei, ihre Elternrolle sicher, selbstbestimmt und alltagsnah auszuüben.

Unsere Fachkräfte begleiten Familien ganz praktisch – zum Beispiel in der Pflege, Versorgung und entwicklungsfördernden Erziehung der Kinder. So entsteht Entlastung genau dort, wo sie gebraucht wird: im Alltag.
Das stärkt Eltern und gibt Kindern die Sicherheit, gut in ihren Familien aufzuwachsen.

Zusammenarbeit für passgenaue Unterstützung

Die Entwicklung und Umsetzung der Qualifizierten Elternassistenz basiert auf einer engen Kooperation zwischen Fachkräften der Eingliederungshilfe und der Jugendhilfe.
Dabei arbeiten die Wohnen gGmbH und die Erziehung und Förderung gGmbH – beide Töchter unserer Muttergesellschaft – eng zusammen.
Diese Zusammenarbeit eröffnet neue Chancen:

  • Gemeinsam handeln: Eingliederungshilfe und Jugendhilfe beraten sich gegenseitig und arbeiten vernetzt.
  • Passgenaue Hilfen: Unterstützungsangebote werden gemeinsam geplant und sinnvoll aufeinander abgestimmt.
  • Synergien nutzen: Wissen, Erfahrung und fachliche Perspektiven werden geteilt und weiterentwickelt.
  • Sichere Übergänge gestalten: Besonders an Schnittstellen zwischen den Systemen entstehen neue Formen der Begleitung.

Mit dieser Kooperation gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt auf unserem Weg zu gelebter Inklusion.
 

Verfahrenslotsen und EJR
2025

Verfahrenslotsen und EJR

Starke Kooperation für Orientierung und Teilhabe

Wenn Familien Unterstützung durch die Jugendhilfe benötigen, wirkt der Weg dorthin oft wie ein undurchsichtiger Dschungel aus Formularen, Zuständigkeiten und Fachbegriffen. Genau hier kommen die Verfahrenslotsen ins Spiel – eine wichtige Unterstützung nach § 27 ff. SGB VIII, die Familien sicher durch diesen Prozess begleitet.
Gemeinsam mit ihnen sorgen wir dafür, dass Hilfe schneller ankommt und besser passt:

  • Bedarfe werden früh und klar erkannt,
  • Antragswege werden leichter und kürzer,
  • Hilfen können zielgenau gestartet werden,
  • und Familien erleben mehr Orientierung, Entlastung und Transparenz.

Für uns als Träger bedeutet die Zusammenarbeit einen echten Qualitätsgewinn: Wir tauschen uns eng aus, beraten fachlich, schaffen verlässliche Schnittstellen und sichern eine hohe Ausführungsqualität der Hilfen.

So entsteht ein starkes Zusammenspiel – für mehr Teilhabe, stärkere Familien und eine effiziente, verlässliche Jugendhilfekette, in der niemand allein gelassen wird.